Kunst im Freien

JUNI 2017:
Es ist zwar jetzt schon etwas her, aber es liegt mir am Herzen euch zu sagen, wie das Malen im Freien in Kremsmünster am Marktplatz für mich war.

Zwei Tage ein Atelier im Freien „bespielen“.  Viele unbekannte Teilnehmer: Zuschauer, das Wetter, Cafehausbesucher, vorbeifahrende Autos, Busse mit Besucher der Landesgartenschau…

WAS TUT DAS MIT MIR ? Wie fühlt sich das an?

Es fühlte sich so gut an! Ich war voller Freude, dass ich mitmachen durfte! Danke an Birgit Bangerl, welche mich als Künstlerin vorgeschlagen hatte. Oranisiert hat alles der Verein Kremsmünster 2020. Vielen Danke für die Möglichkeit mich und meine Bilder öffentlich zeigen zu dürfen.

Samstag in der Früh fuhr ich also mit Sack und Pack nach Kremsmünster. Farben und Leinwand und ein riesengroßer Sonnenschirm waren da. Ebenso ein paar Tische. Pinsel und alle anderen Utensilien, welche  gebraucht wurden, nahm man sich selbst mit. Dazu noch zwei Liegestühle mit Blick auf die Leinwand. Zum Verweilen und zuschauen.

Zur selben Zeit war die Landesgartenschau. Daher gab es ein Thema zu wählen:  Natur oder Kremsmünster. Für mich war von Anfang an klar, dass ich das Thema Natur nehme. Die ersten Entwürfe machte ich im Frühjahr, sobald klar war, dass ich mitmalen werde. Ich hatte so einige Bilder im Kopf und einen groben Entwurf.

SLOW PAINTING

Ich male sonst eher über längere Zeiträume. Ich nenne es „Slow Painting“. Über Tage und Wochen wächst ein Bild in meinem Atelier zu seiner Vollständigkeit. Bis zu dem Zeitpunkt, wo ich eine für mich passende Harmonie der Farben und Formen gefunden habe. Dann höre ich auf und signiere es. Ich male nicht mehr dran weiter oder herum. Verändere nichts mehr. Ich übermale auch keinen alten Bilder. Signiert bedeutet für mich fertig.

In Kremsmünster musste ich mein Bild in genau zwei Tagen fertigstellen. Wer wollte konnte schon vorarbeiten. Das tat ich nicht. Vielleicht hätte ich es beim größeren Format gemacht, aber bei  meiner  160x160cm großen Leinwand hatte ich ein gutes Gefühl. Das geht sich aus – war ich mir ganz sicher!

Beim Prozess des Malens bin ich sehr klar und voll im Vertrauen. Ganz sicher welche Farben und Formen aufs Bild sollen. Und wenn ich noch nicht ganz klar bin, warte ich, bis die Lösung da ist. Ich gehe jeden Tag zu dem Bild und betrachte es in Stille. Auf eine gewisse Weise sprechen wir miteinander. Die Lösung ist auf einmal da. Ohne Zwang und Druck stellt sie sich ein. Dann male ich weiter. So geht das oft Wochen und teilweise sogar Monate.

NUR ZWEI TAGE

Hier waren es aber nur zwei Tage. So startete ich mit einer Skizze aus Kreide, um bei dieser Größe alles gut draufzubringen. Links oben begann ich mit meiner Seelensonne.  Diagonal im Bild schwebt Mutter Erde nach oben mit all ihrer Kraft und Stärke. Das Goldene steht für die Göttlichkeit der Natur. Wir Menschen sind ein Teil davon. Stille und Besinnung auf unsere Fähigkeiten und Stärken. Vor allem auch der Weiblichen. Die drei goldenen Spuren stehen für Mutter-Tochter-Seele.  Liebe Frauen!  Vertraut auf euch und eure weibliche Kraft. Liebe Männer! Ebenso wichtig sind eure Stärken. ABer am wichtigsten ist für mich, dass wir die männliche und weiblichen Kräfte zu einem Ganzen formen. Nur im gemeinsamen  Leben und Tun kommen wir weiter und haben die Chance mitzugestalten.

MUTTER ERDE
goldene Kraft
in mir …

Der Samstag war sommerlich heiß bis über 30 Grad. Im Schatten des großen Schirm ließ es sich gut arbeiten und hin und wieder zog ein Windhauch über den Markplatz. Das Bild nahm Gestalt an und Menschen trauten sich auch mit mir in Kontakt zu treten. Sie merkten, wenn ich im Malen vertieft und wenn ich offen für ein Gespräch war. Wer wollte, unterschrieb auf einer kleinen Leinwand, als Erinnerung für mich an diese zwei besonderen Tage. Vor allem Kinder hatten den Mut fragen zu stellen. Mit einem jungen Mann von ca. 10 Jahren hatte ich ein richtig gutes philosophisches Gespräch.

Am Abend kam dann noch Birgit Bangerl und wir stießen auf diesen wunderbaren Moment an:  Wir sind autodidaktische Künstlerinnen. Wir formen uns und unsere Bilder aus uns heraus. Sind Baumeister unseres Seins und berühren im besten Fall das Innere der Menschen.

Sonntags startete ich schon sehr früh. Ich ließ mich von stimmungsvoller Musik begleiten Belgeiten. Eine Joggerin kam des Weges und setzte sich dazu. Ganz still und leise nahm sie teil.  Ich glaube fast eine Stunde war sie mit dabei. Sie ging so dankbar und beseelt in den Tag, dass es mich sehr berührte. Es ist das schönste für mich, wenn meine Bilder die Menschen in ihrer Seele berühren. Ich danke auch für diesen Moment.

Es wurden ab Mittag heftige Gewitter vorausgesagt. Ich wollte das Bild fertig haben, zumindest soweit wie möglich. Mutter Erde wurde strahlend weiß mit phophorizierender Farbe ausgemalt. Textphrasen aufs Bild geschrieben. Nach und nach wurde alles fertig. Ich hatte die Leinwand fest an die Staffelei angebunden, denn der Wind wurde immer stärker und Wolken zogen auf.  Nach Mittag war ich soweit fertig, bis auf das Autragen der Schutzlasur. Ich begann alles wegzuräumen und trug das Bild in einen Vorraum des Cafe-Hauses. Keinen Moment zu früh, denn kurz darauf, gab es ein heftiges Gewitter mit richtig viel Regen!

GESCHAFFT !   Ich bin fertig Was für ein tolles Gefühl!

Wunderbar verpflegt wurden alle Künstler vom Cafe-Haus am Platz. Herzlichen Dank an Herrn Eglseer und sein Team!